Die Ruqiâ und die Unversehrtheit der ‚Aqîdah

Der Islam ist eine Lebensweise, vollkommen in Hinblick auf seine Lehren, wert- und niveauvoll in Hinblick auf seine Prinzipien und gerecht in Hinblick auf seine Bestimmungen. Vielmehr gilt der Islam als Sicherheit und Bollwerk für den Muslim und als Garant für dessen Rechte. Er hat ihm seinen Weg auferlegt und sein jenseitiges Ende verdeutlicht. Und Allah ist Es, der den Muslim mit Vernunft und Verstand begnadet hat, die als Grundlage für die Erlösung und Errettung dienen, vorausgesetzt er fügt sich und folgt dem, was ihn der wahre Anbetungswürdige سبحانه وتعالى verkündet und verordnet hat.

Der Koran gilt als Heilung für den gläubigen Muslim.

Die Stärkung mit der Waffe der ‚Aqîdah gilt als Durchkreuzung und Abwehr jeglichen Blendwerkes (شبهة), als Schutz vor jeder Neuerung (بدعة), als Unversehrtheit von allen Sudeleien der Ziellosigkeit und des Niedergangs, als Gnade, die mit keiner anderen Gnade gemessen werden darf, und als Triumph, nach dem es keinen Triumph gibt.

Der Verstand hingegen ist ein gewaltiges Geschenk und eine Gunst von Allah, für den, der ihn als Fackel einsetzt, um damit die Umrisse und Grenzen seines Weges zu bestimmen und ihn zu seinem Führer zum Paradies zu ernennen, indem er nachdenkt, nachsinnt und sich über die Schöpfung Allahs und den Kosmos Einkehr haltend entsinnt, sowie auch über alles, was auf die Existenz Allahs, seiner alleinigen Befehlsgewalt, Anbetungswürdigkeit und seinen vollkommenen Eigenschaften hinweist.



Die Seelenerziehung im Kor’ān

Der wahre Schöpfer, gepriesen und erhaben ist Er, sagte in Surat al Shams:

Wohl ergehen wird es ja jemandem, der sie läutert, und enttäuscht sein wird ja, wer sie verkümmern lässt.

Ibn Kathîr, möge Allah Sich seiner erbarmen, sagte:

Wohl ergehen wird es ja jemandem, der seine Seele läutert, indem er Allah gehorcht, wie es Qatadah erläutert hat, sowie auch sie von den niederen Wesenszügen und Lastern reinigt.

In diesen edlen Versen offenbart Allah, erhaben ist Er, dass Er das menschliche Wesen sowohl für das Gute als auch für das Übel erschaffen hat.

Er lobte und ehrte den, der die guten Charakterzüge dieses Wesens gedeihen und entwickeln lässt, bis von ihr der Hauch von Anmut, Schönheit, Glanz und gehobenen Charakter ausgeht.

Und genau diese Form der Läuterung des Charakters, wie sie Allah, gepriesen und erhaben ist Er, beschrieben hat, ist der einzige Weg zum Erfolg und zur Glückseligkeit.

Wer aber den Gelüsten seiner Selbst Folge leistet und mit den niederen Wunschdenken und der permanenten Hinausschieberei lebt, aber auch darüberhinaus seine Zukunft sich selbst überlässt,  führt sich selbst in die Verdammnis. Und bei Allah ist Zuflucht zu suchen.

Ibn al-Qayyim, möge Allah Sich seiner erbarmen, sprach zuvor bereits in diesem Sinne sehr tiefgründige Worte:

Wer auf seiner Liege beharrt, dem entgeht die Vorrangigkeit, und wer die Ruhe bevorzugt, dem entgeht die endgültige Ruhe, während die Gunst und Glückseligkeit nicht mit Wohlstand erlangt werden können.

Gemeint ist, dass der Weg zum Erfolg und Glückseligkeit im Diesseits und Jenseits mühevoll und anstrengend ist, die der Geduld und Mühe bedürfen, nicht der Nachlässigkeit, sowie auch der Anstrengung gegen das eigene Ich, ohne darin nachzugeben oder nachzulassen.

Hierdurch erkennen wir, dass die Läuterung der Seele der Persönlichkeitsentwicklung entspricht, womit die Entwicklung des menschlichen Wesens durch die Festigung der gehobenen Umgangsweise und guten Wesenszüge, sowie auch durch das Aufgeben der schändlichen Umgangsweise, der üblen Wesenszüge und negativen Gewohnheiten gemeint sind, die man durch Übungen erreichen kann und von den wissenden Vorahnen als Bändigung der Seele oder Seelenerziehung bezeichnet wurde.

Demnach gilt die Seelenläuterung oder -erziehung als eine islamische Errungenschaft, die vom edlen Kor’ân erwähnt  und von den ersten Muslimen umgesetzt wurde. Selbst die islamischen Fachbegriffe sind in Hinblick auf ihre Bedeutungen und Bezeichnungen präzise gewählt. Daher werden wir in künftigen Beiträgen diese Tatsache anhand der islamischen Bezugs- und Offenbarungsquellen darlegen.

Und Allah weiß am besten.